Geschichte

Die Wurzeln unserer Familie hier in Neugarten sind noch nicht so tief. Erst 1951 kamen meine Großeltern zu diesem wunderschönen und fruchtbaren Fleckchen Erde. Die schönste Zeit meiner Kindheit erlebte ich hier. Mit meinem Großvater teilte ich die große Leidenschaft für Pferde und die Freude am Garten. Ich liebte aber auch die vielen anderen Tiere, die es hier gab, wie Kühe, Schafe, Schweine … natürlich den Hund und die vielen Düfte, die mit dem Hof verbunden waren. Da gab es den Kartoffeldämpfer, aus dem ich öfter ein paar heiße Kartoffeln stibitzte, frisch gemähtes Gras, das Heu, den Stallmist, Pferde die beschlagen wurden und zwischen alledem das Zwitschern der Schwalben und das Summen unendlich vieler Fliegen. Die Welt schien als Kind so riesengroß.

Das Erwachsenwerden brachte es dann mit sich, das man erst einmal fort ging. Nach meinem Abitur in Neubrandenburg und einem praktikablen Jahr begann ich in Leipzig mit meinem Studium der Betriebswirtschaft für Bauwesen.

Verbandelt mit dem Leben auf dem Lande, fiel es mir anfangs sehr schwer die Großstadt für mich anzunehmen. Ich suchte auch hier immer die Verbindung zur Natur, und sei es in den städtischen Parks oder auf der Pferderennbahn. Während der gesamten Zeit verlor ich jedoch nie aus den Augen eine Möglichkeit zu finden nach Neugarten zurückzukommen.

Die Wende brachte es dann mit sich, dass mein Studium den Prämissen der Marktwirtschaft angepasst wurde. Da ich in die neu gegründete Firma meines Mannes einstieg, brauchte ich mich in keiner Stadt und keinem Großbetrieb einrichten, sondern ging nach der Geburt unserer Tochter dorthin, wo es mich immer schon hingezogen hatte, nach Neugarten. Meiner Großmutter fiel es zunehmend schwerer Hof und Garten allein zu bewirtschaften. Während mein Mann in Berlin arbeitete, war hier meine Hilfe gefragt.

Dann kommt man als erwachsener Mensch hier her, und bemerkt erst dann, wie sehr man alles vermisst hat. Die innere Sehnsucht, die Kindheit wieder zu finden, führte mich an diesen Ort zurück.

Die Zeit hat jedoch alles verändert. Die Bauern, wie es sie einst gab, existierten nicht mehr. Viele der einst wohlbekannten Düfte waren verflogen. Die Zeit, da ein Hof alle ernährte ist vorbei. Heute geht man anderen Jobs nach. Ja, für die jetzige Zeit ist es sogar schwierig diese Höfe zu erhalten und zu pflegen.

In mir reifte der Wunsch nach einem schönen, aber pflegeleichten Garten. Bald hatte der Gartenvirus mich vollends infiziert. Mit anderen Augen sah ich in die Gärten der Nachbarn. Bewusster nahm ich die natürliche Vielfalt und die gegebene Schönheit der Natur auf den umliegenden Feldern, Wiesen und Wäldern in mir auf. Ein riesiger Versorgungsgarten für Menschen und Tiere war nicht mehr zeitgemäß. Ich wünschte mir einen Garten, der sich organisch in die Landschaft einpasst. Rat und Hilfe holte ich mir in der Fachliteratur, oder z.B. bei Gertrude Jekyll oder Lady Sackville-West, aber vor allem nützten mir meine eigenen Experimente, die ich mit Freude betrieb und immer noch betreibe. Mittlerweile habe ich die Belehrung durch den eigenen Misserfolg schätzen gelernt.

Eine Neigung habe ich in den letzten Jahren besonders gehegt: das Arrangement von Blumen mit verschiedenen Naturmaterialien. Bald bot sich mir die Gelegenheit Dekorationen dieser Art in der Öffentlichkeit zu zeigen. So im Rahmen von Aktionswochen im Marktplatzcenter Neubrandenburg oder im Sterncenter in Potsdam. Auch die Feste von Freunden, Geburtstage und Hochzeiten schmückte ich mit meinen Arbeiten. Drei Jahre band ich besondere Buketts für die Künstler und Veranstalter, die sich in der Kunsthalle in Wittenhagen präsentierten.

Mir bereitet es große Freude mit der Vielfalt an Blumen und pflanzlichen Material, mit der Farbe und den Strukturen zu experimentieren und zu spielen, nach Kontrasten und Harmonien zu fahnden.

Die Beteiligung an der für mich ersten Ausstellung „Flora triumphans“ im Jahre 2009 begriff ich als einen Versuch, der für mich die Möglichkeit bot, meine floristischen Arrangements mit den Arbeiten einer Malerin sinnlich zu verknüpfen. Sie stellte eine große Herausforderung für mich dar. Wie würde lebendiges Material aus der Natur zu der gemalten Welt passen?

Für diese Ausstellung verwendete ich sämtliches Material aus meinem Garten und der Umgebung, welches ich wöchentlich wechselte. Da die Ausstellung hier in Neugarten stattfand. Sie brachte mir sehr viel Erfahrung in der Haltbarkeit der Dinge oder der Veränderung der Naturmaterialien. Ich machte erste Experimente mit dem Kleben, Stecken und Trocknen in floristischem Trocknungssalz von Blättern und Blüten.

Die Anfrage für eine gleichartige Ausstellung ließ nicht lange auf sich warten. Sie fand bereits ein Jahr später in Altwarp am Oderhaff statt.

Für diese Ausstellung, so wurde mir klar, konnte ich die floristischen Materialien nicht wöchentlich wechseln. Über den Winter reifte dann der Gedanke, wie ich diese Naturmaterialien präsentieren konnte. Ich musste haltbarere Arrangements verwirklichen. Und das nicht in Form von Sträußen und Gestecken, sondern in Bild und Skulptur, als Collagen aus Naturmaterial. Ich ging auf die Suche nach weiteren Blättern und Fruchtständen welche besonders gut und lange ihre Form bewahren. Ich machte also noch einige Experimente, wie sich Blätter geklebt oder gesteckt verhalten würden und welche farbliche und strukturelle Veränderung stattfinden würde. Hier kam mir mein Trocknungssalz, welches ich bereits weit bevor ich wusste, dass ich solch eine Ausstellung machen würde, erworben habe sehr zu Gute. Mit diesem Salz ist es möglich Blüten so zu trocknen, dass sie ihre Farbe und Struktur länger behalten.

Seither bin ich weiter auf der Suche, um die versteckte, unscheinbare Schönheit und Struktur der Natur in den Blickwinkel für den Betrachter zu holen.

Den Versuch dazu machte ich mit meiner 3. Ausstellung “Im verborgenen Garten MMXI“

An vielen dieser natürlichen. Schönheiten laufen wir in dieser hektischen Zeit doch einfach nur vorbei.

Lebenslauf

Laila-D. Schultze
Laila-D. Schultze

27.07.1967 in Woldegk/ Mecklenburg-Vorpommern geboren

1974-1984 Besuch der polytechnischen Oberschule in Cölpin und Sponholz

1984-1986 Abitur in Neubrandenburg

1986-1987 vorbereitendes praktisches Jahr im Bau-Montage Kombinat in Neubrandenburg

1987-1992 Studium der Betriebswirtschaft in Leipzig, Diplom

1994 Geburt der Tochter Paulina

1998 Erste floristische Aufträge

2003 Beteiligung an der Ausgestaltung von Einkaufscentern und von Firmenpräsentationen in Neubrandenburg, Potsdam und Berlin

2009 1. Ausstellung „Flora triumphans“ in der Galerie Neugarten

2010 2. Ausstellung „Flora triumphans 2“ in der Kapellengalerie in Altwarp

2010 Beteiligung an einer Sammelausstellung in Feldberg/Meckl.

2011 3. Ausstellung „Im verborgenen Garten“ MMXI

2011 Ausgestaltung des Restaurants im Kaiser Spa Hotel zur Post in Bansin